7 Missverständnisse in der Erziehung- oder wie sich unsere Erziehungsziele erreichen lassen

Nr. 4 Strafen, drohen und Konsequenzen – Wie fördern wir das Selbstwertgefühl

Das Missverständnis liegt in der Annahme, dass Kinder Strafen, Regeln und Konsequenzen brauchen. Welche Gründe führen wohl zu diesem immer noch hartnäckigen Glauben?

Ich könnte mir vorstellen, dass möglicherweise folgende Aspekte eine Rolle spielen:

Gesellschaftlicher Druck

Eltern stehen heute mehr denn je unter dem Argusauge der Politik, Schule und der Gesellschaft allgemein. Entweder sind wir Helikoptereltern oder Rabeneltern. Berichte über verhaltensgestörte Kinder in Schule und Elternhaus nehmen zu. Sie werden als auffällig und schwierig eingeordnet und insbesondere mit ihren Defiziten gesehen. Unzählige Erziehungsratgeber und Experten warnen vor Tyrannenkindern, wenn wir nicht hart durchgreifen. Diese Meldungen sitzen uns im Nacken und verunsichern und beeinflussen uns mal mehr mal weniger in unserem Erziehungsverhalten.

Angst vor Kontroll- und Autoritätsverlust

Oft sind wir im Modus gefangen, alles unter Kontrolle haben zu müssen. Wir befürchten sonst, dass alles aus dem Ruder läuft oder dass wir, wenn wir nicht zeigen wer hier das Sagen hat, unsere Elternrolle in Frage gestellt wird. 

Alles perfekt machen wollen/Ungeduld und Stress

Eltern geraten im Alltag ganz oft an ihre psychischen und physischen Grenzen und haben keine Kraft mehr. Nicht weil sie als Eltern unfähig sind, sondern weil die Überforderung zum Elternsein dazu gehört. Ich begegne vielen Eltern die einen extremen Anspruch an sich selbst haben, alles perfekt machen zu wollen. Alles soll immer harmonisch sein und funktionieren. Ungeduld und Stress sind da vorprogrammiert. Seien sie nicht so streng mit sich selbst. Es muss und kann nicht alles perfekt sein und stoppen sie das Vergleichen mit anderen. 

Eigene Wertvorstellungen

Wenn Sie sich an ihr Elternhaus zurückerinnern, fallen ihnen bestimmt einige Familienmottos, die bei Ihnen galten ein wie z.B. „Zuerst die Arbeit dann das Vergnügen“, oder „Ordnung ist das halbe Leben“, „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Dies kann dazu führen, dass diese oft – wenn auch unbewusst noch wirken. So sind wir im Erziehungsalltag versucht, diese Werte unseren Kindern überzustülpen. Doch, was für Sie als ein aufgeräumtes Zimmer gilt, muss noch lange nicht für ihr Kind gelten.

Eigene Erziehung und Empfindlichkeiten (z.B. „ich werde nicht ernst genommen“)

Die eigene Erziehung kann unser heutiges Erziehungsveralten beeinflussen. Auf der emotionalen Ebene kann sich das wie folgt ausdrücken. Hatten wir einen eher kühlen oder strafenden Umgang erlebt, blieben wichtige Grundbedürfnisse unerfüllt. Kinder können mit ihrem Verhalten aggressive Gefühlsanteile in uns aktivieren. Wir werden wütend, weil sie nicht tun, was wir für richtig halten oder unser Anliegen (mach jetzt die Hausaufgaben, leg jetzt dein Smartphone weg) nicht gehört wird. So kann es sein, dass wir dadurch unbewusst in unsere kindliche Gefühlswelt zurückkatapultiert werden. Ich werde nicht gehört, gesehen. Es kann sein, dass wir dann empfindlich reagieren und um diese Spannung auszugleichen unsere machtvolle Position ausnutzen und laut werden, strafen oder drohen und uns durchsetzen wollen. 

Folgen von Bestrafung

Bestrafungen und Drohungen gegenüber Kindern sind psychische Gewalt! Sie sind verletzend, demütigend und destruktiv für die Beziehung. 

  • Behindern die Entwicklung und die Sensibilität für andere und sich selbst.
  • Behindern auf längere Sicht die Fähigkeit, sich einzufühlen sowie Empathie zu entwickeln
  • Verursachen Ärger und Wut beim Kind und den Wunsch nach Rache 
  • Beeinträchtigen die Entwicklung von Emotionen

Strafen schaffen trennende Beziehungen und ein Gefühl von Alleinsein und emotionalen Abstand. Doch gerade innige Verbindungen sind es, Wärme und Mitgefühl die eine verlässliche Bindungsperson ausmachen. Kinder sind von Erwachsenen abhängig und benötigen Sie, um ihnen bei der Stressbewältigung zu helfen, sie zu co-regulieren (regulierte Selbstregulierung) und zu beruhigen. 

  • Strafen sind abschreckend, erniedrigend, verletzend und nutzen sich mit der Zeit ab
  • Strafen können das unerwünschte Verhalten unterdrücken, sind jedoch nicht nachhaltig 
  • Der Bestrafende hat Macht über den „Täter“. 
  • Gefühle des Bestraften sind oft, Ohnmacht, Wut, Trauer, Trotz oder Rache.

Das Ziel von Bestrafung ist genaugenommen, Autorität durchzusetzen und ein unerwünschtes durch ein erwünschtes Verhalten zu erzielen.  Doch Eltern berichten, dass durch Bestrafung, dass unerwünschte Verhalten nicht abnimmt. Es kann beobachtet werden, dass es eher zunimmt. Manchmal zeigen Strafen einen kurzfristigen Erfolg, deshalb ist es so verführerisch sie einzusetzen. Doch oft werden sie zum Nährboden von Machtkampf zwischen Eltern und ihren Kindern.

Ich möchte Sie bestärken:  Strafen, «wenn du nicht…dann»-Sätze und Konsequenzen sind nicht notwendig! Sie spüren, dass sie mit einem strafenden Umgang ihr Kind abwerten und die Grenzen des Kindes übertreten und fühlen sich dabei auch nicht wohl.  Haben sie dabei Geduld mit sich selbst. Es wird nicht von Heut auf Morgen gehen. Ihre Bedenken sind unbegründet:  ihr Kind wird durch einen gleichwertigen Umgang nicht lernen, dass es ihnen «auf der Nase herumtanzen» kann, sondern dass Sie es mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen ernst nehmen. Das bestärkt ihr Kind und wirkt sich positiv auf seinen Selbstwert aus.  Ein wertschätzender, gewaltfreier Umgang, der von Gleichwertigkeit geprägt ist, bietet eine gute Grundlage für ein gesundes Selbstwertgefühl.

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