Kleine Episoden, vom Druck erziehen zu müssen.

„Das tut man nicht – das sagt man nicht!“

Es benötigt nur eine kurze Zeitspanne, wenn man sich an Orten aufhält, welche für Familien attraktiv sind, bis einem solche oder ähnliche Sätze zu Ohren kommen.

Zwei Jungs auf dem Fahrrad unterwegs mit ihren Eltern am Thunersee. Der eine etwa vier, der andere vielleicht sechs. Vorne der Kleine lautstark am Schreien, hinterher der Ältere – mit einer Hand am Lenker, in der anderen Hand einen dicken Ast – entschlossen, diesen dem Jüngeren gezielt anzuwerfen. Was vorher geschehen ist und wie es dazu kam, ist mir unbekannt (und wahrscheinlich den Eltern auch).

Der Grössere wirft und zielt daneben. Der Kleinere schreit immer noch.

Energisch kommt der Vater zum Geschehen, packt den Grösseren am Arm, geht hinunter auf Augenhöhe und insistiert mit ernsthafter Stimme – seiner elterlichen Verpflichtung nachkommend: «Geht’s noch?! Das darfst du nicht tun, hörst du, das will ich nie mehr sehen, dass ist sehr gefährlich, du könntest deinen Bruder verletzen!»

Dem kleineren Jungen, streicht man sanft durch das Haar und signalisiert – alles gut und spendet so Trost.

Recht hat er, der Vater, das Kind muss lernen, das so ein Verhalten nicht erwünscht ist. Er muss auch noch verstehen weshalb und was die Folgen davon sein können.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dem mehr als 90% der Eltern zustimmen und ebenso handeln. Deren Beispiele gibt es Unzählige, welche sich in dieser oder ähnlichen Weise abspielen. Ein Kind tut etwas, was man eben nicht tun soll, was in der Gesellschaft nicht erwünscht ist und muss die Konsequenzen für sein Handeln spüren. Vielleicht noch untermauert mit einer Strafe oder Konsequenz, damit der Lerneffekt erfolgreich ist. Gängige Erziehungsmassnahmen eben!

«Ja aber…entgegnen Sie mir vermutlich jetzt schon».

Ich verstehe diesen Impuls sehr gut. Und es gibt andere, konstruktivere Handlungsalternativen – solche, welche nicht auf der Verhaltensebene agieren.

Sehen wir uns das obige Szenario noch einmal an. Der Vater nimmt wahr, dass der Ältere ziemlich wütend ist – unter der Voraussetzung, ihm gelingt der Perspektivwechsel und mit der notwendigen Empathie (sich einfühlen können in Andere). 

Als verantwortlicher Elternteil hat er die Aufgabe, die Kinder vor einer möglichen Verletzung zu schützen. Gelingt dies – wie im obigen Beispiel nicht (mehr) – sich beispielsweise vor den Jungen mit dem Ast in der Hand zu stellen, ist eine Reaktion auf verbaler Ebene möglich.

«Hey, was ist los»? «Ich sehe, dass du gerade ziemlich wütend bist, stimmt das»?

«Was hat dich denn so wütend gemacht»?

(….)

Der Junge erhält einen Raum um seine Sicht der Dinge zu erklären. Er erfährt durch die Wahrnehmung und Benennung des Vaters, dass es sich bei dem Gefühl um Wut handelt. Oft sind Kinder entwicklungsbedingt noch nicht in der Lage ihre Emotion zu benennen, geschweige denn zu regulieren. Hier gilt der Grundsatz: Emotion vor Kognition. Der Junge erfährt, ich werde ernstgenommen, gesehen, gehört in meiner emotionalen Notlage, mein Gefühl ist richtig. Ich darf sagen was ich denke und fühle!

Okay, das verstehe ich. Heisst nicht, dass der Vater damit (Verhalten) einverstanden ist.

Zum Bruder: «Und du hast wohl einen riesen Schrecken und Angst gehabt, als dein Bruder dich verfolgt hat, nicht wahr»?

Genauso kann sich der Jüngere ausdrücken, was in ihm vorgegangen ist und ihm wird Gehör verschafft. 

So und nun, was machen wir denn da?

Lädt die Kinder ein, sich an einer Lösungsfindung zu beteiligen.

Es geht gar nicht so sehr darum eine Lösung zu finden, es geht darum die Kinder in ihrer Emotion zu sehen und zu verstehen.

Was ist gewonnen, wenn wir wie im ersten Beispiel handeln? Der Konflikt ist erstens nicht angesprochen und schon gar nicht gelöst.

Der Ältere erfährt nichts über seine Gefühle. Vielmehr erfährt er, ich muss meine Gefühle in Zukunft unterdrücken, sonst bin ich nicht erwünscht und erfahre eine Konsequenz.

Er fühlt sich missverstanden und gekränkt.

Doch der Junge war wütend! Und das ist ein berechtigtes Gefühl. Nur wusste er noch keinen konstruktiveren Weg, diese Wut zu regulieren und einen anderen Weg, als mit Gegenständen zu werfen. Das ist ein Prozess, welcher sich bis ins junge Erwachsenenalter hinzieht – und abgesehen davon auch manchmal noch Erwachsenen nicht gelingt. 

Deshalb brauchen Kinder Erwachsene, die sie Co-Regulieren. (dazu in einem anderen Artikel mehr).

Szenenwechsel: Immer noch am Thunersee. Ein Junge spaziert seinem Vater hinterher und ich – und auch andere, sich dort befindende Spazierende – hören aus dem Kindermund: «Hey Alter!»

Der Vater dreht sich empört um, wissentlich, dass er einige Beobachtende um sich hat. Jetzt bloss nicht das Gesicht verlieren. «Was fällt dir ein, ich will nicht, dass du so mit mir sprichst, das sagt man nicht!»

Gut so, der Junge muss lernen, dass wir in unserer Gesellschaft einen solchen Ton nicht dulden. Er muss lernen, dass wir respektvoll miteinander umgehen.

Auch da, mögen Sie mir sagen: «stimmt doch!?»

Der Junge war gerade mal ca. fünf Jahre alt. Dieses «hey Alter! » hat er vermutlich irgendwo bei Jugendlichen gehört, welche sich durch diese Art der Kommunikation verbunden fühlen.

Der Vater darf da gelassen sein und sich nicht durch den gesellschaftlichen Druck dazu verpflichtet fühlen, einem fünf Jahre alten Jungen – der in dieser Entwicklungsphase Freude am Ausprobieren von Ausdrücken hat – eine Standpauke zu halten. 

Er kann ihm ohne eine Äusserung darauf, einfach liebevoll über den Kopf streichen, im Wissen darum, dass dies völlig entwicklungsgerecht ist. Er kann sich gewiss sein, dass sein Kind deswegen nicht ein Erwachsener wird, dessen Sprache sich unangemessen entwickelt. Er kann sich jedoch sicher sein, dass sich sein Kind an seiner eigenen Sprache orientiert und ihm als Vorbild dient. Und – ohne diese Standpauke, welche das Kind wiederum beschämen und kränken würde, die Beziehung nicht unnötig beschädigt.

Das Beste zum Schluss: Immer noch am selben Bade- und Spazierort. Ein Vater, (mir fällt gerade auf, dass sich wohl gefühlt alle Väter von Thun am See befanden) mit seinem Sohn und seiner Tochter am Ufer befindend, stürzt ganz unglücklich beim Queren des steinigen Bord des Ufers. Die Kinder taten es ihm gleich, hatten jedoch mehr Glück.

Es dauerte keine Sekunde, da kam aus dem Hinterhalt einer beobachtenden Dame die (vorwurfsvolle) Aussage an den Vater adressiert:  «Das war jetzt aber sehr gefährlich, das hätte schlimm ausgehen können!» , was wenig hilfreich war in dem Moment. Ein „das hat wohl weh getan! “ hätte gereicht.

Die Dame ist Lehrerin, wie ich später erfuhr. Wahrscheinlich hat sie vergessen, dass es sich gerade um einen erwachsenen Vater handelt und nicht um eines «ihrer» Kinder – welches abgesehen davon, ausser dem Gefühl – «ich hab`s vermasselt», nichts gelernt hätte.

Wie begleite ich ein Kind, wenn es sich zunehmend respektlos und beleidigend verhält, Wutanfälle zeigt und Anweisungen verweigert?

Als Familienberaterin und Elterncoach habe ich den Anspruch, kindliches Verhalten zu verstehen, einzuordnen, entwicklungspsychologische Erkenntnisse zu berücksichtigen und konstruktive Antworten zu entwickeln. Dabei habe ich den Blick auf das ganze System, in dem sich das Kind bewegt. 

Zudem gehe ich davon aus, das jedes Verhalten einen Sinn hat und es sich lohnt bei Kindern zu erfahren, welches Gefühl dem Verhalten zugrunde liegt und welches emotionale Grundbedürfnis das Kind gerade versucht ins Gleichgewicht zu bringen.

„…das Verhalten der betroffenen Kinder verstehbar zu machen. Zum „Aufhören“ benötigen Kinder daher Fachpersonen, die bereit sind, ihre Not zu sehen, und die versuchen, die Emotionen hinter dem Verhalten zu erkennen“. Es ist genau so wichtig, dass diese Fachpersonen bereit sind, auf sich selbst zu hören, die ihre eigenen Emotionen (an)erkennen und einen hilfreichen Umgang damit finden.

„Sich mit den „guten Gründen“ hinter einem herausfordernden Verhalten zu beschäftigen, bedeutet, sich mit den Problemen, die Kinder haben, zu beschäftigen und nicht mit den Problemen die Kinder machen.“

Quelle: Kinderschutz Schweiz Kartenset „Hör auf mich!“

Was sehen wir: 

Ein Kind verhält sich zunehmend respektlos, ist beleidigend, verweigert Anweisungen und kooperiert an verschiedenen Stellen nicht mehr. Vermehrt reagiert es mit starken Wutausbrüchen. 

Offensichtlich ist das Kind in grosser Not und in seiner Emotionsregulation stark eingeschränkt. Kinder benötigen übrigens die gesamte Kindheit für diese Entwicklung, um sich dann im Erwachsenenalter auch selbst regulieren zu können. 

Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir, dass Kinder in bestimmten Fällen nicht mehr kooperieren. 

  • Zum einen, wenn sie überfordert sind, im Sinne eines hohen Erwartungsdruck; das geschieht, wenn sie sich zu lange und zu sehr nach den Wünschen und Erwartungen der Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Erzieher etc.) richten müssen und über einen längeren Zeitraum in eine Überkooperation geraten.

  • Oder ihr Vertrauen in die Beziehung beschädigt wird oder ganz abhanden kommt; das geschieht, wenn sie verletzt oder gekränkt werden, ihre Persönlichkeit nicht geachtet und ihre emotionalen Bedürfnisse missachtet werden.

Niemals kündigen Kinder von sich aus die Zusammenarbeit mit uns Erwachsenen auf. Und nie geschieht eine solche Verweigerung grundlos. Es ist immer auch ein Ausdruck dafür, dass im Beziehungsgeflecht etwas in Schieflage geraten ist. Strafen verstärken die Überforderung oder Kränkung noch, die Kooperationsbereitschaft der Kinder sinkt rapide für den Moment und kann auch langfristig beeinträchtigt werden.

Durch Strafen und Konsequenzen nimmt das unerwünschte Verhalten nicht ab, sondern eher zu. Es entsteht eine ungünstige Machtspirale, aus der ein Ausstieg nur schwer gelingt. Letztlich sind sie das Tor zum Machtkampf, verschärfen negative Einstellungen und Haltungen auf beiden Seiten und können auch problematisches Verhalten bei Kindern verfestigen. Es lernt nur: ich muss gehorchen, sonst erfahre ich emotionale Schmerzen.

Kinder erleben durch Bestrafung Demütigung und Ablehnung. Sie fühlen sich ohnmächtig und hilflos. Sie erfahren, dass sie so wie sie sind, nicht geliebt werden, dass ihr Gefühl falsch ist – dass sie falsch sind.

Strafen haben trennende Wirkung und schaffen emotionale Distanz. Dabei brauchen Kinder jedoch eine innige Verbindung. Sie benötigen verlässliche Bindungspersonen, die ihnen bei der Stressbewältigung helfen. Gerade in diesen Situationen benötigen Sie Erwachsene, welche ihr Verhalten lesen können, das Gefühl welches darunter liegt erkennen, welches das Verhalten motiviert und spüren welches Grundbedürfnis (Sicherheit, Autonomie, Verbindung) sich wertvoll fühlen, in seinen Anliegen verstanden, ernst genommen, gesehen und gehört zu werden.

Sie verursachen Ärger, Wut und den vorerst noch unterdrückten Impuls nach Rache. Das kann sich dann auch gegenüber andere Personen richten. Oft finden diese unterdrückten starken Gefühle erst im Erwachsenenalter ihren destruktiven Ausdruck, dann aber unkontrolliert und heftig.

„Erschwerend kommt hinzu, dass die Versuche, den herausfordernden Bewältigungsstrategien der Kinder im Alltag mit klassischen pädagogischen Mitteln zu begegnen (zum Beispiel mit Belohnungs- und Bestrafungssystemen), häufig ins Leere laufen oder diese gar noch verstärken. Bei Fachpersonen kann dies schnell zu Resignation oder Ärger führen, was sich wiederum verstärkend auf das Verhalten der Kinder auswirkt.“

Quelle: Kinderschutz Schweiz „Hör auf mich!“

Wenn wir nun anhand dieser Kenntnisse versuchen, Zusammenhänge zwischen der momentan herausfordernden Situation herzustellen, gelingt womöglich ein Perspektivwechsel und ein Verständnis für das Verhalten.

Wie wir früher dachten:

Ein wütendes, schlagendes und schimpfendes Kind ist unerzogen! Das muss ich unterbinden! Was denken bloss die anderen? Ein solches Verhalten muss Konsequenzen haben. Es muss lernen, dass so ein Verhalten in unserer Gesellschaft nicht toleriert wird. Es muss spüren, dass so ein Verhalten falsch ist. 

Was wir heute wissen:

Dein Kind erzählt nichts über dich, sondern spricht über sich selbst. Es erzählt von seiner Kränkung und seiner Wut. Es hat starke Gefühle und kann diese noch nicht regulieren oder benennen. Es fühlt sich unverstanden, einsam und allein, traurig, wütend oder ärgerlich.Dein Kind erzählt von seinen Gefühlen und macht auf seine emotionalen Bedürfnisse aufmerksam. 

Wenn wir das Verhalten verbieten, bestrafen oder bewerten, werden folgende Botschaften gesendet. „Du bist so, wie du bist nicht ok. Wütend zu sein ist nicht in Ordnung. Deine Gefühle sind nicht richtig und wichtig!“ Essenzielle Entwicklungsschritte werden unterdrückt, Gefühle werden abgespalten und im Körper gespeichert. 

So lass ich doch nicht mit mir reden!

Hier spricht dein eigenes “ inneres Kind“ in dir. Es sind alte Gefühle oder Verletzungen aus frühen Zeiten welche hochkommen. Du darfst den Fokus auf dich richten. Es hat nichts mit der aktuellen Situation zu tun. Du fühlst dich womöglich kritisiert, gekränkt, nicht gesehen oder du fühlst dich gerade als Mutter, Vater oder Lehrperson/Erzieher*in in Frage gestellt. Hier bist du bei dir und deinem Gefühl und kannst so nicht in Kontakt zu dem Kind treten. Das Kind ist nicht verantwortlich für deine Gefühle. Es mag wohl dazu beigetragen haben, dass du dich so fühlst, ist jedoch nur Auslöser und nicht die Ursache.

Wie ich heute damit umgehe:

Wechsle die Perspektive! Gehe nicht auf das Verhalten ein. Das Kind ist in Not, es würde anders reagieren, wenn es entwicklungsbedingt könnte. Es wäre gut, wenn Du in solchen Momenten weniger auf die Form des Ausdrucks (wir sehen hauen, schimpfen etc.  auf der Verhaltensebene) eingehst, sondern mit der Gefühlsebene Kontakt aufnimmst. Was für ein Gefühl hat wohl das Verhalten motiviert?

Versuche deine eigenen Gefühle zu regulieren im Wissen, dass sie jetzt gerade nichts mit der Situation zu tun haben. Fühl dich empathisch in die Lage des Kindes ein. Lass dich nicht durch andere verunsichern (Öffentlichkeit). Sprich das Thema in deiner nächsten Umgebung an und informiere sie, damit auch sie verstehen, dass es entwicklungsgerecht ist. Die Sorge, dass das Kind später solche Kraftausdrücke benutzt ist unbegründet. Viel mehr erfährt es, dass es ernstgenommen, sich gesehen und wertvoll fühlt, wenn wir diese Wutausbrüche einfühlsam begleiten.

Was das Kind jetzt braucht:

Das Kind braucht gerade jemanden, der sich ihm zuwendet und ihm hilft seine starken überflutenden Gefühle zu regulieren. Es braucht jemanden an seiner Seite, welcher signalisiert: „Ich verstehe dich und dein Gefühl.“ Wende dich nicht von dem Kind ab. Schicke es nicht weg. Lass es mit diesen starken Gefühlen nicht alleine. Lass ihm Raum für die Gefühle und hilf ihm diese zu verstehen und kennenzulernen indem du sie benennst. Womöglich kannst du spüren, worum es auf der Bedürfnisebene ging?

Verhalten verstehen- Verbindung herstellen

Ab und wann werde ich gefragt:

„Kannst du mal mit meinem Kind arbeiten, es ist so aggressiv oder kämpferisch oder verweigert sich, wir kommen nicht mehr heran.“

Das könnte ich – doch um nachhaltig eine Veränderung herbeizuführen, brauchen Kinder eine Verbindung welche sie sättigt. Und diese Verbindung kann ihnen am besten gegeben werden über eine konstruktive Beziehung. 

Diese entsteht, wenn nicht das Verhalten des Kindes im Vordergrund steht sondern das Interesse daran, zu verstehen was dieses Verhalten motiviert. 

Möchtest du dein Kind, sein Verhalten und dich besser verstehen?

Programm „Connect“

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„Nicht alle Eltern die selbst von Gewalt betroffen waren, schlagen ihre Kinder!“
„Ich habe jedoch noch nie Eltern kennengelernt, die nie Gewalt in ihrer Kindheit erfahren haben und ihre Kinder schlagen!“

Ich berücksichtige in meinem kommenden Programm „CONNECT“:

Eltern, die selber von Gewalt oder seelischen Verletzungen (Trauma) betroffen waren,
Eltern, die aus der Gewaltspirale austreten wollen und es alleine nicht schaffen,
Eltern, welchen eine behördliche Massnahme angeordnet wurde in einem Gruppenprozess, mehrere Ebenen. 

Auflösung von Verankerungen von schädlichen Beziehungsmustern in der Kindheit und die damit einhergehende Desensibilisierung.

Zugang und Verbindung zu eigenen verloren gegangenen Emotionen finden (Neuronale Verknüpfungen wiederherstellen)

Empathie Fähigkeit (wieder-) erlangen

Verbindung zu eigenen Körperempfindungen herstellen

Eigene (Ver-) Bindungs- u. Beziehungsmuster verstehen

Biographiearbeit – aus der Vergangenheit lernen um die Zukunft neu zu gestalten

Anerkennung was war und Versöhnung

Umgang mit Wut / Wutmanagement

Impulskontrolle/Emotionsregulation 

Grenzen

Wir wachsen heran – in einem schützenden, grenzgebenden Mutterleib. Er gibt uns Sicherheit, er gibt uns Halt. Doch irgendwann kommt die Zeit, indem wir mehr oder weniger schnell diesen Ort, welcher uns vertraut war, verlassen. 

Ausserhalb des Uterus, sind wir angewiesen auf schützende Umarmungen, Körperkontakt, kleine Bettchen und Wiegen, welche uns Behaglichkeit und Sicherheit vermitteln sollen. 

Kurzerhand vergrössert sich unser Radius, indem wir beginnen – sobald wir körperlich in der Lage sind, uns krabbelnd, bald schon aufrecht uns aus unserem gewohnten Umfeld zu entfernen. 

Wir überschreiten Grenzen und kommen an unsere Grenzen. Zum Teil naturgegeben zum Teil von aussen herbeigeführt. 

Im besten Fall, erfahren wir in der Kindheit, dass unsere Grenze gewahrt wird. Im schlechtesten, dass diese immer wieder übertreten wird. 

Dies geschieht meist unwissentlich und in guter Absicht, weil uns gesagt wird, dass wir Kindern Grenzen setzen sollen. Doch betrachten wir diese Grenzsetzung im Verständnis der herkömmlichen Erziehungsmechanismen, sind wir es, die uns oft grenzüberscheitend gegenüber unseren Kindern verhalten.

Was Bestrafung, Konsequenzen und strikte Regeln für Botschaften senden:

«Ich bin es nicht wert, in meinen emotionalen Bedürfnissen gesehen und gehört zu werden»

«Meine Gefühle sind nicht wichtig»

«Ich bin nicht okay, so wie ich bin»

«Meine Grenze wird missachtet, ich soll jedoch im Gegenzug eure Grenze wahren»

Kinder benötigen jedoch die Erfahrung, dass ihre eigenen persönlichen Grenzen geachtet werden und für andere bedeutsam sind. Somit senden wir die wichtige Botschaft: 

«Ich sehe dich in deinem Gefühl und nehme dich ernst»

«Du bist wichtig und wertvoll»

Kinder lernen Grenzen kennen, indem wir ihre wahren! Und sie lernen, dass sie eigene Grenzen haben. Damit sie im Erwachsenenleben in der Lage sind, „Nein“ sagen zu können und somit „Ja“ zu sich selbst!

Bitte vertraue darauf und lass dich nicht verunsichern, wenn du diesen antiquierten Erziehungsratschlägen begegnest:

Kinder müssen sich an Regeln halten

Kinder müssen Grenzen gesetzt werden

Auf nicht Einhalten von Regeln und Übertreten von Grenzen müssen Konsequenzen folgen

Bist du unsicher und hast Fragen dazu, kannst du mich gerne per Mail mit deiner konkreten Frage oder Situation kontaktieren. lisa.werthmueller@bluewin.ch

Wenn Elterliche Wut ausser kontrolle gerät – Prävention durch Elterncoaching

Eltern und Fachleute fragen sich, wie es dazu kommen kann, dass selbst geschlagene Eltern, ihren Kindern gegenüber die Fassung verlieren, laut werden und Dinge tun, die sie später bereuen und sich dies, worunter sie so litten, erneut wiederholt.

Eltern spüren, dass ihr Verhalten nicht angemessen war und wenn sie könnten, würden sie es verändern! Der Umgang mit starken eigenen Gefühlen, wie jener ihrer Kinder, ist eine Herausforderung, die jedoch erlernbar ist.

Die Fähigkeit sich selbst zu regulieren ist ein Lernprozess welcher in der Kindheit beginnt. Wenn Eltern in ihrer eigenen Kindheit mit starken Gefühlen allein gelassen wurden oder Gefühle überhaupt keinen oder nur wenig Raum haben durften, kann es sein, dass dieser Stress im Körper gespeichert wurde oder der Zugang zu den eigenen Gefühlen nahezu abgespalten wurde. 

So können Kinder mit ihren starken Emotionen, welche übrigens entwicklungsgerecht sind, in ihnen eine vermeintliche Grenzüberschreitung auslösen oder einen alten Schmerz aus ihrer Kindheit berühren oder anstoßen, welcher nichts mit der Situation im Außen zu tun hat. Ziel ist es also, dass sie in der Lage sind, bei dieser Konfrontation nicht in die Spirale schnell ablaufender Prozesse zu geraten. Denn in diesem Stress können sie nicht mehr auf ihre Kognition zurückgreifen. 

Es geht darum, zwischen Reiz und Reaktion einen Handlungsspielraum zu erhalten, indem sie eigene Körpersignale frühzeitig wahrnehmen und einordnen, Denkprozesse überprüfen, welche möglicherweise nicht realistisch sind. Durch den Akt des Bewusstmachens, verlangsamen sie den Prozess und andere Handlungsalternativen werden möglich. Dazu gehört auch die innere Arbeit mit sich selbst und sie dürfen sich folgende Fragen stellen: 

Wo komme ich her? Was für Erfahrungen mit Gefühlen in meiner Kindheit habe ich gemacht? Welche Strategien habe ich mir in meiner Kindheit angelegt. Wie steht es mit meinem Verhältnis zu Wut? Weshalb fühle ich mich angegriffen, nicht gesehen oder nicht ernstgenommen? Welcher alte Schmerz aus meiner Kindheit ist noch nicht versöhnt. Sie lernen eigene Bindungs- und Beziehungsmuster kennen.Sie lernen ihre Gefühle wieder neu kennen und sie in ihren Körper zu integrieren. 

Denn dies ist eine Voraussetzung, damit sie selber in der Lage sind, ihre Kinder Co-zu regulieren und sie in ihren starken Emotionen gut begleiten können.

Eltern müssen nicht Verantwortung für den ihnen zugefügten Schmerz in ihrer Kindheit übernehmen, den haben andere ihnen zugefügt. Sie können jedoch im Heute Verantwortung für ihre Pflege der Wunden und Narben die zurückgeblieben sind übernehmen und sich begleiten lassen im Nachnähren ihren eigenen emotionalen Defiziten. 

Wenn wir „Verhaltensauffälligkeiten“ lernen zu „Lesen“ (Teil3)


Wenn sich Eltern entscheiden, ihr Kind nicht zu einem Psychologen, Psychiater oder einer anderen Stelle für Abklärungen zu schicken, schaffen wir erst einmal durch Orientierung und Einordnung, einen Überblick um Ruhe in das System zu bringen, welches durch die defizitären Beurteilungen grosse Verunsicherung für Eltern bedeutet. 

Und wir richten den Fokus auf die Umgebung, indem sich das Kind befindet, um diese zu beleuchten, um Antworten zu finden was das Kind braucht – anstelle des Kindes isoliert mit seinen Symptomen zu «behandeln» mit dem Ziel, dass die Symptome verschwinden. 

Wenn wir entwicklungspsychologische Erkenntnisse beachten, wissen wir, dass Kinder noch nicht in der Lage sind, sich emotionale Grundbedürfnisse selbst zu erfüllen. Sie sind lediglich in der Lage mit dem Verhalten auf den Mangel hinzuweisen. Dazu brauchen sie eine erwachsene Person, welche das Verhalten «übersetzen» kann und selbst über gute Strategien verfügt, sich eigene emotionale Grundbedürfnisse zu erfüllen. 

In der folgenden Arbeit mit Eltern, wenden wir uns den Zusammenhängen zu, um zu erkennen – dann um zu verstehen, damit wir Hinweise erhalten was das Kind braucht, um die Symptome nicht mehr zeigen zu müssen. Es entsteht Entlastung und Entspannung, in der sich eine neue Haltung und eine neue Sichtweise auf das Kind und seine Umgebung einstellt – und wir finden Antworten!

Wie ÜBLICHERWEISE MIT „VERHALTENSAUFFÄLLIGKEITEN“ UMGEGANGEN WIRD (TEIL2)

Bleiben wir bei der Metapher des Geschenks. Bleibt dieses ungeöffnet, bleibt der Fokus auf dem Verhalten. Zu voreilig wird eine Abklärung empfohlen. Dies schlägt sich nieder in deinem Blick auf dein Kind und deinem künftigen Verhalten, als Vater oder Mutter. Deine Sorge und der auf dir lastende Druck, wird spürbar für dein Kind. Die zusätzliche Abklärung, bedeutet, dass bei deinem Kind noch mehr Sicherheit (eines der 3 emotionalen Grundbedürfnissen) verloren geht und zeigt sich wiederum in seinem Verhalten. Ein nicht unbedenklicher Teufelskreis entsteht. Ich verstehe die Sorge und dennoch ist es wichtig, dass du als Vater oder Mutter die Sicherheit nicht verlierst. Erinnere dich; dein Kind ist weder krank noch hat es sonst eine Störung. Es verhält sich gesund in einer Umgebung, in der es sich offenbar nicht wohl fühlt um sich gut entwickeln zu können. 

Weshalb „Verhaltensauffälligkeiten“ auch ein „Geschenk“ sein Könn(t)en! (Teil1)

Vermehrt empfange ich Eltern, welche durch Kita-Fachpersonen oder Lehrpersonen über eine Verhaltensauffälligkeit bei ihrem Kind informiert worden sind. Diese sind sehr vielschichtig und können sich in unterschiedlicher Art und Weise zeigen. Jedenfalls führen sie meist dazu, dass sich die Fachpersonen an die Eltern wenden – was ja auch in einer Zusammenarbeit münden kann und erwünscht ist. Der Appell den an die Eltern gerichtet wird, lautet aber oft: «Machen Sie etwas – wir wissen nicht mehr weiter.» Ein grosser Druck der da auf die Eltern übertragen wird. Ein «Angriff», der selten das Gefühl hinterlässt – «ich habe als Mutter oder Vater versagt».

Mein Hinweis, dass die Verhaltensauffälligkeit des Kindes auch als Geschenk angesehen werden kann, führt im ersten Moment zu Verwirrung und später dann aber zur Entlastung.

Ein Kind welches sich auf irgendeine Art und Weise störend verhält, erzählt etwas über sich – es zeigt sich in seinem ungestillten emotionalen Bedürfnis! Da dürfen wir genauer hinsehen. Es fällt nicht leicht, das Verhalten nicht gleich zu bewerten und in der Folge mit einer Massnahme unterbinden zu wollen. Da sind wir alle gefordert.

Wenn es uns jedoch gelingt, das Verhalten nicht isoliert zu betrachten, dürfen wir erst einmal dankbar sein und uns fragen: «Was will uns das Kind mit diesem Verhalten mitteilen?» «Was braucht dieses Kind»? Und so gesehen, empfinde ich es als ein wertvolles Geschenk. 

Problematischer wird es, wenn Kinder in ihrem angepassten Verhalten «übersehen» werden.