„Muss ich – oder mein Kind zu einer Psychologin? „Was ist der Unterschied zu einer Psychologischen Beratung?“

Aus Gründen der Lesbarkeit wird in diesem Artikel darauf verzichtet, geschlechtsspezifische Formulierungen zu verwenden. Soweit personenbezogene Bezeichnungen nur in weiblicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Männer und Frauen in gleicher Weise. 

Ich möchte für Euch zwei Hilfsangebote beleuchten und meine Erfahrungen und Gedanken dazu teilen. Ich versuche dies so objektiv wie möglich zu tun, da ich weder das Eine noch das Andere diskreditieren oder gegeneinander ausspielen will. Vielmehr habe ich ein Interesse daran, für den Hilfesuchenden eine Entscheidungshilfe zu bieten und aufzuklären. Wie so oft, gibt es Vor- und Nachteile, die eventuell für die betreffende Person relevant sein könnten. 

Welche Punkte berücksichtige ich bei meinem Vergleich?

  • Art und Ausmass der Problematik resp. der Symptome/Motivation
  • Vor- und Nachteile
  • Stigmatisierung
  • Pathologisierung
  • Ausbildung/Methoden/ Behandlung
  • Kosten

Menschen, die sich überlegen Hilfe in Anspruch nehmen zu wollen, haben meistens bereits eine längere Leidensgeschichte hinter sich. Nehmen Symptome zu und ist der Leidensdruck zu gross, werden sie aktiv. Die Ursachen und die Symptome sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Bestehen in einem oder mehreren Lebensbereichen wie – Partnerschaft/Familie, Arbeit und Selbst unüberwindbare Probleme/Konflikte, welche über einen längeren Zeitraum bestehen, sollte man sich rechtzeitig Hilfe holen.  

Nun stellt sich die Frage, an wen sich die Betroffenen wenden sollen. Erst zum Hausarzt, der eine Überweisung an eine Psychologin* oder Psychiaterin* in die Wege leitet? Oder können sie sich mit ihrer Problematik auch an eine Psychologische Beraterin* wenden? 

Ist die Problematik und sind die Symptome noch nicht so weit fortgeschritten, dass es sich um ein Krankheitsbild nach ICD-10 handelt (Internationales Diagnoseklassifikationssystem), kann sich die hilfesuchende Person an eine Psychologische Beraterin wenden. Eine Psychologische Beratung, durchgeführt von einer ausgebildeten und vom SGfB anerkannten Person, verfügt über das notwendige Wissen und das Pflichtbewusstsein, Personen mit Verdacht auf eine psychiatrische Erkrankung an eine Fachperson weiterzuleiten.

Die Vorteile einer Psychologischen Beratung – oder weshalb der Gang zur Psychologin oder Psychiater durch eine Psychologische Beratung ersetzt werden kann.

Eine Anmeldung initiiert vom Ratsuchenden selbst – also nicht überwiesen durch den Hausarzt – ermöglicht ihm bei der Wahl eines Therapeuten/Berater selbst zu bestimmen. Dies ist insofern bedeutend, da man weiss, dass die «Chemie» zwischen Therapeuten/Berater und Klient über Erfolg oder Misserfolg einer Beratung/Therapie entscheiden kann. 

Die Hemmschwelle sich Hilfe zu suchen, verringert sich bedeutend, wenn die Wahl auf eine Psychologische Beraterin anstelle eines Psychologischen Psychotherapeuten oder Psychiaters fällt.   

Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Psychologischen Psychotherapeutin oder Psychiaterin eine Diagnose zu erhalten, ist gross. Eine Diagnose bedeutet also – ich bin krank. Meine Krankheit hat einen Namen. Dies kann dazu führen, dass sich der Klient auch so fühlt, und sich somit die Aktivierung seiner eigenen Ressourcen zur Genesung nur gering mobilisieren lassen. Oft wird zu schnell zu einer Medikation geraten und die betreffende Person wird krankgeschrieben. (Zur Richtigstellung: hier handelt es sich nicht um eine Person, welche aufgrund des Schweregrades der Symptome bereits eine psychiatrische Diagnose hat).

Bei Kindern oder Jugendlichen, die in irgendeiner Form auffälliges Verhalten zeigen, wird oft zu schnell pathologisiert. Die Botschaft die das Kind erhält – mit Dir stimmt etwas nicht, du bist so wie du bist nicht richtig, hinterlässt Spuren. Dies kann Folgen haben, welche sich bei einem erwünschten Therapieerfolg negativ niederschlagen. Oft reicht es, sich die Umgebung in der sich das Kind «unangepasst» verhält unter die Lupe zu nehmen, anstelle des Kindes und sein Verhalten ändern zu wollen. Jedes Verhalten hat einen Grund und gibt uns Auskunft über ein subjektiv gefühltes Mangelerleben des Kindes. Machen wir uns also auf die Suche, wie wir dem Bedürfnis des Kindes gerecht werden können, welches mit seinem Verhalten (unbewusst) darauf aufmerksam macht.

Wird über die Krankenkasse abgerechnet, ist die betroffene Person folglich mit einer entsprechenden Diagnose im Bereich der Psychischen Erkrankungen im System erfasst. Dies kann bei einem Krankenkassenwechsel Konsequenzen bei der Einstufung zur Folge haben.  

Eine Psychologische Beratung kann – je nach Richtung und Lehre nach dem sich der Berater ausrichtet, therapeutisch mit Methoden seiner Wahl, gleich gute Ergebnisse erzielen, wie bei einer Psychologin oder Psychiaterin. Die Bezahlung folgt auf eigene Kosten, was sich wiederum im Erfolg der Therapie niederschlagen kann. Die Bereitschaft, aufgrund der vorhandenen Symptome, die lediglich aufzeigen und uns als Alarmsystem dienen und uns sagt: “ jetzt besteht Handlungsbedarf in meinem Leben, jetzt muss sich etwas ändern, jetzt muss ich etwas ändern!“ Diese Dynamik hilft den Beratungsprozess sowie das Erreichen der Genesung oder des zu erreichenden Zieles zu beschleunigen. Der Zeitpunkt ist entscheidend und kann darüber befinden, ob sich bei zu langem Warten eine ernsthaft psychische Erkrankung entwickelt. In diesem Fall kann es sein, dass eine Medikation mit Psychopharmaka notwendig wird.

*Die Begriffe in der medizinisch therapeutischen Landschaft sind sehr vielfältig und auch verwirrend.

Ich beschränke mich im Artikel auf drei Bezeichnungen – die der Psychologin, bei welchem Methodenlehre, Diagnostik, Evaluation und Statistik Teile des Studiums sind. Es geht also nicht um Methoden, Techniken und Verfahren, um den Leidensdruck eines Menschen zu lindern oder um das Verständnis des menschlichen Erlebens und Verhaltens. Um als Klinische Psychologin arbeiten zu können braucht es zusätzlich eine Psychotherapieausbildung.1Die Bezeichnung lautet dann; Psychologische Psychotherapeutin.  

Die der Psychiaterin, welcher nach einem Medizinstudium eine psychiatrische und psychotherapeutische Facharztweiterbildung hat. 

Und last but not least, die Individualpsychologische Beraterin, welche eine Ausbildung mit einem Diplom abschliesst und über fundiertes theoretisches wie praktisches Wissen über tiefenpsychologische Erkenntnisse des menschlichen Handelns und Methoden und Konzepte für die therapeutische, lösungsorientierte Beratung verfügt. 

Quelle: Internetseite Abruf 20.09.2019 https://www.psychologie.uzh.ch/de/studium/interesse/psychologie.html 

Was bewegt mich dazu, ein Resilienztraining für Kinder und Jugendliche durchzuführen

In Anlehnung meiner Arbeit als Psychologische Beraterin und den damit gewonnenen Erkenntnissen, sehe ich die präventive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als einen wichtigen Grundstein in der Entwicklung junger Menschen. 

Ich habe mir nun also einige Frage gestellt;  was benötigen Kinder oder Menschen, um im Leben gut zu Recht zu kommen, um ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führen zu können, sich selbstwirksam zu erleben, Gestalter und nicht Opfer von Umständen zu sein, um Herausforderungen anzunehmen, mit dem Wissen, dass es sich lohnt, Energie in die Problemlösung zu investieren, auf entsprechende Ressourcen zurückgreifen zu können oder mit Schicksalsschlägen oder kritischen Lebensereignissen so umzugehen, dass keine bleibende Beeinträchtigung entsteht?

Welche Art von Vorbereitung benötigt ein Mensch und welche Eigenschaften sollten besonders entwickelt werden und besondere Beachtung erhalten? 

Zu welchem Zeitpunkt in der Entwicklung, finden wichtige Prozesse statt, die positiv beeinflussbar sind? 

Abgesehen vom Elternhaus und der Schule, die einen beträchtlichen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen übernehmen, liegt ein anderer Teil in der genetischen Veranlagung sowie des angeborenen Temperamentes des Kindes.

Wenn wir für einmal die Erziehung und den Auftrag der Schule, Wissen zu vermitteln, ausser Acht lassen, haben junge Menschen zu wenig Gelegenheit, Erkenntnisse zu sammeln, die es ihnen erlauben, Selbstachtung zu gewinnen und sich ihres Wertes selbst bewusst zu werden, ohne die Leistung ausschliesslich als etwas zu sehen, dass ihnen Anerkennung und die Erfüllung von Erwartungen einbringt.  Oft kommen auch andere Erkenntnisse und Erfahrungen, im vom Leistungsgedanken geprägten Schulalltag, zu kurz. Beispielsweise das Bewusstmachen von Stärken, wie auch von Visionen, Träumen und Wünschen, welche Antreiber sein können, die sich schlussendlich in der eigenen Handlungskompetenz widerspiegeln, helfen, die Zusammenhänge über Denken, Fühlen und Handeln zu verstehen. Das Bewusstmachen von Ressourcen, auf die Kinder und Jugendliche in problematischen oder schwierigen Situationen zurückgreifen können, welches ihnen ein Gefühl von Sicherheit erlaubt.  Es befähigt sie, den Anforderungen des Lebens so zu begegnen, Ressourcen zu mobilisieren, die sie zur Meisterung ihres Lebens und aktueller Probleme benötigen.

Das Resilienztraining soll vergessene oder noch nicht entwickelte Ressourcen und Stärken zu Tage bringen, es soll anstelle von Wissensvermittlung, Erfahrungen und Erkenntnisse erlebbar machen. Es soll ein Kompass für ein gelingendes Leben sein. Damit Glück nicht als Zufall wahrgenommen wird und Menschen aus der Verantwortung kommen lässt, indem sie abwarten, erleiden, erdulden und ertragen, was schlussendlich krank machen kann. Ich möchte Raum schaffen für die Entwicklung von Möglichkeiten und das Ausschöpfen der Potenziale, welche in jedem Menschen vorhanden sind.

Welche Grundüberzeugungen beeinflussen Dein Leben?

Mittlerweile weiss man über die Gefahren von Datenmissbrauch im Internet und den daraus erstellten Persönlichkeitsprofilen zwecks psychologischer Beeinflussung Bescheid. Menschen sollen manipulativ mit massgeschneiderten Informationen versorgt werden, aufgrund derer sie dann Entscheidungen treffen. Aufgrund der so erzeugten Emotionen, werden Käufe getätigt, Wahlen getroffen oder Meinungen untermauert.

Nicht anders, aber oft unwissentlich, steht der Mensch seit frühster Kindheit unter Beeinflussung ihm unbewussten Mechanismen. Diese entstehen durch Schlussfolgerungen und Interpretationen von Erlebnissen in der Kindheit. Je nach schöpferischer Kraft des Kindes, fallen diese aktiv- konstruktiv, kompensierend bis überkompensierend oder vermeidend aus. Im Laufe der Zeit, verfestigen sich solche Strategien. Unbewusst haben diese das Ziel, einer subjektiv gefühlten Mangellage zu entkommen.

In der Regel sind uns diese Strategien im Alltag nicht bewusst. Und doch sind es wiederkehrende Verhaltensmuster, die wir in bestimmten Situationen an uns beobachten können. Diese Grundüberzeugung lässt uns in bestimmter Weise Denken, daraus entsteht ein Gefühl und dann handeln wir. Sind wir also fremdbestimmt? In gewisser Weise schon, denn die Fehlinterpretation und die daraus resultierende unbewusste Strategie, wird nicht reflektiert. Sie ist zu unserer Wahrheit geworden und wird im Erwachsenenleben immer noch erlebt und gelebt. Sie limitiert uns, sie lässt uns keine freie Wahl und keine Entscheidungsfreiheit. Erst wenn wir unserem unbewussten Ziel und dem entsprechenden Verhalten bewusstwerden und verstehen, wozu wir in dieser Weise handeln, sind wir in der Lage, diese kindliche Strategie abzulegen und ein Update zu starten. So können wir beginnen, das Verhalten zu hinterfragen und uns neu zu orientieren. Wir gewinnen so wieder die Entscheidungsfreiheit und ein Stück Autonomie über unser Denken, Fühlen und Handeln zurück.

Vermeintliche „Tyrannen“

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In Zeitungsartikeln, Fachzeitschriften oder als Titel eines Bestsellers, werden Kinder oder Jugendliche auch schon mal als «Tyrannen» bezeichnet. Dieser Ausdruck finde ich despektierlich. Denn, genaugenommen, werden unsere Kinder mit «Gewaltherrschern» auf eine Ebene gebracht – also, als rücksichtslose und herrschsüchtige Menschen betitelt. Inhaltlich beziehen sich solche Artikel auf das unangemessene Verhalten der Kinder und wie sie als Eltern, in dringender Notwendigkeit entgegenzusteuern haben.

Dieser Sichtweise möchte ich eine andere gegenüberstellen.«Bevor ein Kind Schwierigkeiten macht, hat es welche» (Alfred Adler)

Ob Tyrannei, Trotzanfall oder störendes, unangemessenes Verhalten – zeigen in jedem Fall ein entmutigtes Kind. Ausser, es handelt sich dabei um Situationen, bei welchem Müdigkeit, Krankheit, Hunger etc. eine Rolle spielen, dies vor allem bei Kleinkindern.

Diese Kinder befinden sich in einer «Notlage» und es scheint der einzige Weg zu sein, um ihre sozialen Grundbedürfnisse gestillt zu bekommen. Namentlich sind dies folgende: Dazugehören und sich geliebt fühlen, Fähig und wirkmächtig sein, Einfluss nehmen können, Bedeutung haben, Respektiert und fair behandelt werden, sich geborgen und sicher fühlen, Mut zum Wagnis haben.

Glaubt ein Kind, aus seiner subjektiven Sicht, dass es nicht dazugehört oder einen Platz in der Familie hat, versucht es mit ungeeigneten Mitteln sein Ziel zu erreichen. Es bedient sich sogenannter «irriger Nahziele». Dieser Vorgang geschieht jedoch unbewusst und ist keineswegs eine «geplante Aktion des Kindes». Wenn ein Kind also Fehlverhalten zeigt, tut es dies, aus einem ihm unbewussten Grund. Individualpsychologisch gesehen, verfolgt jedes Verhalten und jede Handlung einen bestimmten Zweck. Denn wenn es ihm nicht gelingt, durch positives Verhalten, sich dazugehörig zu fühlen, wird es alles daran setzen, mit negativem Verhalten an sein Ziel zu gelangen. Es nimmt in Kauf, getadelt, beschimpft oder bestraft zu werden, denn Ignoriert zu werden ist für das Kind viel schlimmer.

So lassen sich denn auch die Ziele des störenden Betragens in vier Entmutigungs-Stufen einteilen. Aufmerksamkeit erregen; Dahinter steht das Bedürfnis an Beteiligung. Macht demonstrieren; Dahinter steht das Bedürfnis an Selbständigkeit und Einfluss nehmen zu können. Vergeltung und Rache; Das Kind möchte Fairness. Unfähigkeit unter Beweis stellen; Das Bedürfnis nach Kompetenz ist hier vorherrschend.

Sind sie als Eltern, Erzieher oder Lehrer nun in der Lage, das Grundbedürfnis, welches dahinter steckt zu erkennen, können sie aus einer anderen Perspektive reagieren und handeln. Restriktives Handeln bei Fehlverhalten führt zwangsläufig zu einer Verstärkung. Kinder sind sich in der Regel der Ziele ihres Fehlverhaltens nicht bewusst, jedoch der Konsequenzen sehr wohl. Sie lernen welche Reaktion sie bekommen, wenn sie Fehlverhalten zeigen. Es mag sich paradox anhören, aber lieber mit „Boshaftigkeit“  oder mit schlechtem Benehmen zu „glänzen“ oder als „Störenfried “ zu gelten um Aufmerksamkeit zu bekommen und/oder  dort „der Beste“ zu sein, als sich unbedeutend, nicht fähig oder nicht dazugehörend zu fühlen. Entscheidend ist, wie sie in der Lage sind das Fehlverhalten zu deuten und zu verstehen und wie sie darauf reagieren.

Sind alle drei Stufen der irrigen Nahziele durchlaufen und führen beim Kind/Jugendlichen nicht längerfristig „zum Erfolg“, kann es sein, dass durch passiv-konstruktives Verhalten, durch „Unfähigkeit unter Beweis stellen“ versucht wird, Niederlagen und dem Versagen zu entgehen. Mit dem Ziel, in Ruhe gelassen zu werden und  zu bewirken, dass nichts mehr von ihm verlangt oder erwartet wird, bewegt das Kind/Jugendlicher dazu, aufzugeben.

Es erfordert viel Bereitschaft und ein psychologisches Gespür, dem Verhalten und dem damit angestrebten Ziel auf die Schliche zu kommen. Die Gründe können vielfältig sein und es lohnt sich in jedem Fall, näher hinzuschauen, welche Beweggründe zu destruktivem Verhalten des Kindes/Jugendlichen führen. Im Eltern – Kind Coaching werden Schule, Umfeld, Familie, Geschwister etc.  mit einbezogen und beleuchtet um mögliche Quellen der Entmutigung festzustellen. Welche Anteile sind  in der subjektiven Meinung des Kindes zu suchen und welches sind Interaktionen des Umfeldes die nicht dienlich sonder eher kontraproduktiv wirken können.

Wenn also wieder einmal von „Tyrannen-Kindern“ die Rede ist, ziehen sie nicht allzu vorschnelle Rückschlüsse  über das  Verhalten eines Kindes oder eines Jugendlichen und verurteilen sie den Betroffenen nicht mit Vorurteilen.

Lisa Werthmüller

 

 

 

 

 

 

 

 

Häufige Fragen, die mir im Praxisalltag gestellt werden.

Kann man die Beratung über die Krankenkasse abrechnen?

Dies ist eine häufige Frage, die an mich gelangt, bevor sich Menschen dazu entscheiden, sich für eine Psychologische Beratung oder ein Elterncoaching anzumelden. Diese Frage ist berechtig, keine Frage! Die finanziellen Möglichkeiten sind oft, gerade wenn Kinder da sind, eher Bescheiden und erlauben keine grossen «Gümp» mehr. Da zögert man schon noch einmal mehr, ob es sich denn überhaupt lohnt oder ob das Geld doch nicht für etwas anderes gebraucht werden kann, dass vielleicht grad notwendiger ist. 

Doch spannend ist das Phänomen; wenn die Beratung von der Krankenkasse übernommen würde, würden einige viel schneller zum Telefon greifen oder das Kontaktformular abschicken. In den Zwischenzeilen lesen wir also, dass es durchaus Bedarf gäbe und lediglich das Kriterium der Kostenübernahme durch die Krankenkasse ausschlaggebend wird. 

Doch, ist dies nicht ein Trugschluss? Wenn wir Menschen fragen; «was ist das Wichtigste für Dich im Leben?», schallt es nahezu unisono: «Unsere Kinder, die Partnerschaft, Beziehungen zu Freunden, die Arbeit, Zufriedenheit, Gesundheit etc.» 

Weshalb also, verzichten wir so oft, auf eine Investition in das, was uns am Wichtigsten erscheint?

Was könnten Sie allenfalls gewinnen? 

Sich und andere besser zu verstehen, erleichtern ihnen im Alltag viele unliebsame Situationen. Denn sie verstehen nun, weshalb sie so reagieren, wie sie reagieren. Dies führt zu mehr Autonomie, denn andernfalls übernehmen unbewusste Denk- und Handlungsmuster das Steuer. So vermeiden Sie, immer wiederkehrende, altbekannte Muster die zu Beziehungsschwierigkeiten führen können.  Oder stellen Sie sich vor, Sie könnten ohne Vermeidungsstrategien durchs Leben gehen. Selbstbestimmend und selbstbewusst. Unzählige Möglichkeiten, lassen sich nun verwirklichen, wo vorher Selbstzweifel und fehlender Mut Sie dazu brachten, das Vorhaben gar nicht erst anzupacken. Viele konfliktreiche Situationen im Elternalltag lassen sich vermeiden, wenn sie über wichtige entwicklungsbedingte Verhaltensweisen der Kinder Bescheid wissen. Folglich sind Sie in der Lage, anders als bisher zu reagieren und zu handeln.

Wieviel sind Sie sich und ihre Liebsten um Sie herum wert? Ich bin fest davon überzeugt, dass sich dieser Wert, den Sie gewinnen, nicht in Zahlen ausdrücken lässt. Wenn Sie immer noch zögern, weil Sie es sich vermeintlich nicht leisten können, möchte ich doch noch einen kleinen Vergleich wagen. Im Schnitt sind 6 Beratungen effektiv und führen zu ihrer gewünschten Veränderung und zu ihrem Ziel. Dies kostet sie auf den Tag gerechnet in einem Jahr: Fr. 1.80!

Ich freue mich auf Sie!

Herzlich, Lisa Werthmüller

https://lisa-werthmueller.com/kontakt/

7 Missverständnisse in der Erziehung – oder wie sich unsere Erziehungsziele erreichen lassen

Nr. 7 Teilen – Wie fördern wir Durchsetzungskraft

Teilen wird als wichtige Sozialkompetenz erachtet und wir möchten als Eltern, unseren Kindern das Teilen, so früh wie möglich «beibringen». Genauer betrachtet, führen unsere Bestrebungen jedoch zu missverständlichen Botschaften für unsere Kinder. 

Wenn wir Kinder zum Teilen anhalten, sie mit Nachdruck überreden oder gar zwingen, entsteht bei den Kindern der Eindruck, dass es in Ordnung ist, jemandem etwas wegzunehmen, wenn man es wirklich haben will. Ausserdem, könnten sie es so verstehen, dass es nicht richtig ist, seine Grenze deutlich zu machen, indem man sich beschwert, wenn man diejenige Person ist, dem etwas weggenommen wurde. Oder aber, um selbst beliebt zu sein, gehört es offensichtlich dazu, jederzeit zu teilen und abzugeben, auch wenn ich das gar nicht möchte. Somit kann die Entwicklung, für ein Gefühl für die eigene Grenze gehemmt werden. Wir sollten unseren Kindern das Recht zugestehen, auch einmal «Nein» sagen zu dürfen, ohne dass wir befürchten, einen Egoisten heranzuziehen. 

Die Wahrnehmung kleiner Kinder ist in dieser Hinsicht eine ganz andere als die der Erwachsenen. Dies ist entwicklungsbedingt verständlich, denn es fehlen noch wichtige Grundvoraussetzungen, damit Kinder erst lernen, teilen zu wollen. Um echte Empathie entwickeln zu können, ist ein Alter von ca. drei bis vier Jahren notwendig. Erst dann, sind Kinder fähig, mit Freude und aus eigenen Stücken, teilen zu wollen. Folge dessen, machen Kinder die Erfahrung, dass sie beim Teilen nichts verlieren, sondern etwas dazugewinnen können. Dennoch sollten Kinder auch in Bereichen das Recht haben, etwas zu besitzen, dass ganz und gar nur ihnen gehört. Sie sollten über gewisse Dinge auch ohne Bedingung das Recht haben, darüber verfügen zu können.  

So erlauben wir ihnen nicht nur wichtige Erfahrungen sammeln zu können, sondern fördern sie, in der Selbstbestimmung und Durchsetzung eigener Interessen. Diese Informationen im Hinterkopf, können helfen, wenn in einer nächsten Situation ihr Kind nicht teilen möchte. Lassen sie ihrem Kind Zeit und geben sie ihm auch das Signal, dass es in Ordnung ist, wenn es für einmal nicht teilen möchte. 

7 Missverständnisse in der Erziehung – oder wie sich unsere Erziehungsziele erreichen lassen

Nr. 6 Wutanfälle – Wie fördern wir die emotionale Entwicklung

Wut und Aggressionen sind nichts Schlimmes oder Schlechtes. Es sind Gefühle, welche in unserer Gesellschaft nicht so viel Raum gegeben wird und ungern gesehen sind. Es ist ein Ausdruck, ein Signal wie es uns geht. Vielleicht eine Enttäuschung, wenn ich was nicht bekomme oder mir etwas nicht gelingt. Wut und Aggressionen werden oft mit Gewalt in Verbindung gebracht. 

Deshalb liegt da das Missverständnis. Eltern befürchten, wenn sie die Wutanfälle ihrer Kinder tolerieren, werden sie später einmal Schwierigkeiten haben, sich in gewissen Situationen zu regulieren. Oder aber, sie haben den Eindruck, dass ihre Kinder Wutanfälle gezielt einsetzen um etwas zu erhalten. In vielen Erziehungsratgebern oder verhaltenspädagogischen Elterntrainings, wird auch gerne von der sogenannten «Trotzphase» gesprochen. Diese suggeriert, dass das Trotzen von Kindern bewusst eingesetzt wird um etwas zu erreichen und es wird geraten, dies auf keinen Fall zu tolerieren. 

Doch heute weiss man, was hinter dem sogenannten «Trotz» steckt. Es handelt sich um die Autonomiephase. Diese beginnt ab ca. Anfang/Mitte des 2. Lebensjahres und dauert bis zum 4. Lebensjahr oder auch länger. In dieser Zeit befinden sich Kinder in der emotionalen Entwicklung. Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung Ablösung, mit dem Ziel sich Selbstwirksam zu erleben.Diese Selbstwirksamkeitserfahrung erleben Eltern oft als Widerstand, weil das Kind genau das Gegenteil macht, was wir von ihm erwarten. In dieser Phase brauchen Kinder besondere Unterstützung.

Altersbedingt sind sie nämlich kognitiv noch nicht in der Lage, auf ein bestimmtes Ereignis mit Handlungsalternativen zu reagieren. Zum Beispiel, weil die Eltern jetzt diese Süssigkeit gerade nicht kaufen wollen. Sie können nicht spontan umdenken oder um planen und sind stark auf Dinge oder Begebenheiten fokussiert. Deshalb ist es nicht sinnvoll oder förderlich, Kinder in ihrem Wutanfall mit schimpfen, Zurechtweisungen oder gut gemeinter Erklärungen zu begegnen. Sie sind schlicht weg kognitiv nicht erreichbar und befinden sich in einer gefühlten Notlage. Sie werden regelrecht mit Gefühlen überflutet, sind frustriert, emotional überfordert und finden keine Worte für diesen Zustand. Sie fühlen sich hilflos, da sie nicht begreifen, was da gerade mit ihnen passiert. Lassen wir sie an dieser Stelle alleine mit dem Gefühl, erhält das Kind die Botschaft: 

  • Ich lehne Dich und Dein Gefühl ab

Was das Kind fühlt:

  • Ich bin nicht okay so wie ich bin 
  • Meine Gefühle sind nicht okay

Unsere Botschaft: 

  • Ich lasse dich mit deinem Gefühl alleine

Was das Kind fühlt:

  • Ich bin hilflos
  • Ich werde nicht gesehen, gehört

Schlimmstenfalls, lernen Kinder so, dass sie meinen, sie müssen nun ihre Gefühle unterdrücken, damit sie geliebt werden. Hirnbiologisch kann dies schwerwiegende Folgen haben wie in einer Studie festgestellt. 

https://www.nzz.ch/wissenschaft/aggressive-maedchen-zeigen-veraenderte-hirnaktivitaet-ld.1484890

Mein Kommentar dazu:

Dass bestimmte Hirnregionen weniger Vernetzung aufweisen, welche für die Regulierung von Emotionen zuständig sind und sich veränderte Hirnaktivität zeigt, lässt sich darauf zurückführen und begründen, dass die emotionale Entwicklung in der frühen Kindheit nicht achtsam begleitet wurde. Denn; auf Gefühle wie Wut, Aggression, Trauer, Enttäuschung wird just in dieser sensiblen Phase oft nicht entwicklungsgerecht reagiert. Wutanfälle im Kleinkindesalter werden bereits pathologisiert. 

Es wird «erzogen» im Sinne verhaltenspädagogischer Annahmen und dem Ziel dieses Verhalten zu massregeln und zu unterbinden. Dies hat zur Folge, dass Kinder diese Gefühle unterdrücken und nicht lernen können, diese durch die elterliche Unterstützung zu regulieren. Es kann also folglich keine kognitive Vernetzung und Entwicklung auf neuronalen Pfaden stattfinden. Auch sozial auffälliges Verhalten bei Jugendlichen, sind immer ein Ausdruck und Hinweis auf innere seelische Zustände. Je mehr wir dieses Verhalten sanktionieren und das unerfüllte oder missachtete Grundbedürfnis dahinter nicht erkennen, müssen Kinder «auffällig» werden um auf diese innere Schieflage aufmerksam zu machen! 

Was können wir tun?

In erster Linie geht es gar nicht darum, den Wutanfall so schnell wie möglich zu beenden, sondern die emotionale Entwicklung ihres Kindes zu begleiten. Nicht das Verhalten des Kindes im Vordergrund sehen, sondern die Gefühle spiegeln, das heisst, dass Sie sie benennen und Worte für das finden, was ihr Kind noch nicht ausdrücken kann! Verständnis für das Gefühl, welches beim Kind spürbar wird entwickeln und nicht das kindliche Verhalten sanktionieren und abwerten, bewerten oder es mit Macht abstellen.

  • Nehmen Sie das Gefühl ihres Kindes wahr
  • Erkennen Sie das Gefühl, welches hinter der Wut steckt und
  • benennen Sie das Gefühl: «Ich kann sehen, dass du dich ärgerst, verzweifelt, enttäuscht bist» 
  • Authentisch und einfühlsam in Kontakt zum Kind bleiben und das Kind nicht mit dem Gefühl alleine lassen.

So erhält das Kind folgende Botschaft von Ihnen:

  • Ich sehe dich mit deinem Gefühl und nehme es wahr
  • Du bist gesehen mit deinem Gefühl und es ist okay
  • Ich nehme dich an mit deinem Gefühl, deiner Ohnmacht und deiner Hilflosigkeit
  • Du kannst dich auf mich verlassen, du bist nicht alleine

Lassen Sie sich nicht beirren. Stehen Sie zu ihrem Kind. Auch in Situationen in der Öffentlichkeit, bei welchen Zuschauende während des Wutanfalles mit mitleidigen Blicken oder mit nicht hilfreichen Kommentaren zur Stelle sind. Vertrauen Sie ihrem Gefühl, auch wenn Ratgeber oder verhaltenspädagogische Elterntrainings dazu aufrufen, Wutanfälle auf keinen Fall durchzulassen und eine Konsequenz folgen zu lassen.  Sie schaden nicht nur in der Eltern-Kind-Beziehung, sondern können traumatische Spuren bis ins Erwachsenenalter hinterlassen. 

7 Missverständnisse in der Erziehung – oder wie sich unsere Erziehungsziele erreichen lassen

Nr. 5 Gehorsam – Wie fördern wir Verantwortungsbewusstsein

Das Missverständnis liegt in der Annahme, dass wir befürchten, wenn unsere Kinder uns nicht gehorchen, sie dies auch zukünftig, beispielsweise in der Schule oder im Berufsleben nicht tun und es ihnen schwerfällt, sich an Regeln halten zu können. Doch woher stammt diese Annahme? 

Blicken wir zurück in die Zeit der Schwarzen Pädagogik und beleuchten einmal die Erziehungsziele die damit verfolgt wurden. Kennen Sie die Geschichten vom Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann (1809 – 1894)? In diesen Geschichten wird Kindern Angst gemacht, sie werden unter Druck gesetzt, sie haben wenig Nähe zu Ihren Bezugspersonen und die nach nicht angepasstem Verhalten drastische Folgen erleiden. In erster Linie ging es darum den eigenen Willen der Kinder zu brechen. Nun mögen Sie denken, dass solche Zeiten glücklicherweise vorbei sind, haben sich diese als schädigend für die Kinder erwiesen. Bei näherer Betrachtung, bedienen wir uns jedoch in der herkömmlichen Erziehung, nach wie vor dieser Mechanismen und Wirkungsweisen, wenn auch in abgeschwächter Form. 

  • MACHT: Die machtvolle Position der Eltern wird für die Durchsetzung eigener Interessen genutzt. 
  • GEWALT: Wenn nicht anders möglich, werden auch kompromisslose Massnahmen zur Durchsetzung elterlicher Ziele angewandt wie strafen oder drohen.
  • ANPASSUNG: Ziel ist die Anpassung des Kindes an die Vorstellungen und Erwartungen der Erwachsenen und der Gesellschaft. 
  • GEHORSAM: Der Gehorsam des Kindes ist die massgebliche Grundlage und das Ziel der Erziehung. 

Doch erreichen wir mit dieser Form von Erziehung, was wir Eltern uns wünschen, etwa dass Kinder zu eigenständigen und verantwortungsvollen Persönlichkeiten heranwachsen? Ich bezweifle das. Denn diese Mechanismen führen dazu, dass Kinder vor allem lernen, sich anzupassen, und eher unselbständig bleiben. 

Erziehungsziele – was wünschen wir uns für unsere Kinder?

Eltern wünschen sich, dass ihr Kind…

…eine eigenständige Persönlichkeit wird,

…ein starkes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl aufbaut,

…unabhängig wird und selbständig Entscheidungen trifft,

…anderen mit Empathie und Einfühlungsvermögen begegnet,

…Verantwortungsbewusstsein für sich und andere entwickelt,

…psychisch und physisch gesund heranwächst.

„Wenn wir wollen, dass Kinder lernen, für ihr Leben persönliche Verantwortung zu übernehmen, ist die Erziehung zum Gehorsam nicht zielführend“.

Was können wir also tun?

Oft richten wir unser Augenmerk auf Situationen, in welchen unsere Kinder nicht mit uns kooperieren. Wir haben dann das Gefühl, das Kind hört einfach nicht auf mich und macht nicht was ich möchte. Doch Kinder kooperieren oft den ganzen Tag über, dann wenn Sie aufstehen müssen, im Kita- oder Schulalltag, der jede Menge an Kooperation von ihnen abverlangt. Nach der Schule müssen Hausaufgaben gemacht werden, ein Ämtli erledigt, das Zimmer aufgeräumt etc. 

Grundsätzlich wollen Kinder immer kooperieren. Sie wollen uns gefallen und möchten Anerkennung durch uns erfahren. Es gibt nur zwei Gründe die dazu führen, dass sie sich verweigern oder nicht mehr kooperieren. Entweder sie sind überfordert oder sie sind gekränkt. Überforderung im Sinne von zu hohen oder unrealistischen Erwartungen, wenn sie sich zu lange und zu sehr nach den Wünschen und Vorstellungen der Eltern richten müssen. (Bsp. Tagesablauf, Kita-Tag) oder gekränkt im Sinne von Missachtung ihrer emotionalen Bedürfnisse. 

Wir können uns folgende Fragen stellen:

  • Wo kann ich im Alltag eine Entschleunigung herbeiführen? Wo ist es allenfalls zu viel, zu schnell, zu hektisch? 
  • Wo kann ich auch einmal das; «jetzt sofort» durch ein; «wann möchtest du es erledigen, nach dem Essen oder am Abend?» ersetzen?
  • Wo fand evtl. eine Grenzüberschreitung meinerseits statt, die in einem Machtkampf endete, und ich mich dank meiner elterlichen Machtposition durchsetzen konnte? Wann hab ich damit mein Kind vielleicht gekränkt und auf dies mein Kind in der Folge nun mit einer Verweigerung reagiert?

Begegnen wir unseren Kindern auf gleicher Augenhöhe und respektieren ihre Anliegen und Wünsche gleichermassen, und lassen ihnen ein Mitspracherecht in ihren Angelegenheiten, so erhalten sie folgende Botschaften: «ich bin gleichwertig, meine Meinung, meine Wünsche und Bedürfnisse zählen.» «Ich kann mitbestimmen und so auch lernen Verantwortung zu übernehmen.»