Die Polyvagaltheorie erklärt, wie unser Nervensystem auf Stress und Sicherheit reagiert. Traumatisierte Kinder fühlen sich oft in einem Zustand von Kampf , Flucht oder Erstarren gefangen.
Warum ist das wichtig?
Das Nervensystem steuert, ob ein Kind entspannt und sozial verbunden oder angespannt und ängstlich ist. Übungen, die den Vagusnerv aktivieren, fördern Heilung, Vertrauen und emotionale Stärke 🌟🛠️.
Einfach anwendbares Spiel für dich als Mutter oder Vater (oder Pädagogische Fachkraft) basierend auf der Polyvagaltheorie:
Die Reise durch den Tiergarten der Gefühle – Wissenschaftlicher Hintergrund und Wirkungsweise
1. Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Polyvagaltheorie
Die Polyvagaltheorie, entwickelt von Stephen Porges, beschreibt, wie unser autonomes Nervensystem auf Stress und Sicherheit reagiert. Dabei wird insbesondere die Rolle des Vagusnervs hervorgehoben, der entscheidend für die Regulation von Emotionen, sozialen Interaktionen und die körperliche Gesundheit ist.
Der Vagusnerv steuert drei zentrale Zustände:
- Social Engagement System (soziale Verbundenheit): Ein Zustand der Sicherheit, in dem wir uns entspannt und verbunden fühlen.
- Fight-or-Flight-Modus (Kampf oder Flucht): Aktiviert bei wahrgenommenem Stress, um Gefahren zu bekämpfen oder zu entkommen.
- Shutdown (Erstarren oder Rückzug): Ein Schutzmechanismus bei überwältigendem Stress, der zu Passivität oder Rückzug führt.
Ziel der Polyvagaltheorie:
Das Ziel ist es, durch gezielte Übungen oder Erlebnisse das Nervensystem zu beruhigen, den Zustand der sozialen Verbundenheit zu fördern und Stressreaktionen zu regulieren.
2. Wirkungsweise des Spiels
Die „Reise durch den Tiergarten der Gefühle“ nutzt Prinzipien der Polyvagaltheorie, um Kindern und Jugendlichen zu helfen, Stress zu reduzieren, Selbstregulation zu fördern und eine stärkere Verbindung zu ihren Gefühlen herzustellen.
Wie funktioniert das?
- Sicherheit schaffen: Jedes Tier bietet eine symbolische und körperliche Möglichkeit, das Nervensystem in den Zustand der Sicherheit und Verbundenheit zu bringen (z. B. durch ruhige Bewegungen, bewusste Atmung oder sanfte Berührung).
- Selbstregulation fördern: Durch die Übungen lernen Kinder, sich bei Stress, Überforderung oder starken Gefühlen selbst zu beruhigen und wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
- Förderung der Körperwahrnehmung: Bewegung und Achtsamkeitsübungen stärken die Verbindung zwischen Körper und Geist und helfen, Stresssignale besser zu erkennen.
- Emotionen erkennen und benennen: Die Fantasiereisen und kreativen Elemente ermöglichen es den Kindern, Gefühle spielerisch wahrzunehmen und auszudrücken.
3. Wann und wofür kann das Spiel eingesetzt werden?
Das Spiel eignet sich für Kinder in verschiedenen Lebenssituationen, insbesondere wenn sie Unterstützung bei der Regulation von Emotionen oder dem Umgang mit Stress benötigen.
Geeignete Anwendungsbereiche:
- Förderung emotionaler Kompetenz: Kinder lernen, ihre Gefühle zu erkennen, auszudrücken und zu regulieren.
- Stressbewältigung: Das Spiel bietet Techniken, um mit Stress, Angst oder Überforderung umzugehen.
- Unterstützung bei Traumafolgen: Kinder mit belastenden Erfahrungen können durch die Übungen Sicherheit und Selbstwirksamkeit erfahren.
- Förderung von Aufmerksamkeit und Konzentration: Achtsamkeitsbasierte Übungen verbessern die Selbstwahrnehmung und erhöhen die Konzentrationsfähigkeit.
- Stärkung sozialer Beziehungen: Übungen, die soziale Verbundenheit fördern (z. B. „Schmetterlingsmassage“), stärken die Bindung zu anderen.
Typische Einsatzorte:
- Schulen (z. B. für Pausen- oder Entspannungsübungen).
- Therapeutische Settings (z. B. Traumapädagogik oder Ergotherapie).
- Familien (als gemeinsames Spiel zur Stärkung der Bindung).
- Freizeitgruppen (zur Förderung von Entspannung und Freude).
4. Wissenschaftliche Wirkungsweise der Übungen
Die Übungen sind so gestaltet, dass sie den Vagusnerv aktivieren und das autonome Nervensystem positiv beeinflussen. Hier ist, wie die Übungen aus neurophysiologischer Sicht wirken:
1. Atemübungen (z. B. Schildkröte, Schmetterling):
- Tiefe, bewusste Atmung stimuliert den Vagusnerv und aktiviert den parasympathischen Zustand (Ruhe und Entspannung).
- Langsame Atembewegungen signalisieren dem Gehirn, dass keine Gefahr besteht, was den Körper beruhigt.
2. Körperwahrnehmung (z. B. Elefantenstampfen, Vogelperspektive):
- Durch achtsame Bewegungen wird die propriozeptive Wahrnehmung gefördert, was das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit verstärkt.
- Der Fokus auf den Körper lenkt die Aufmerksamkeit von stressauslösenden Gedanken ab.
3. Fantasiereisen (z. B. Marienkäferwiese):
- Kreative Vorstellungen helfen, das Nervensystem zu entspannen und eine positive, sichere emotionale Verbindung herzustellen.
- Die Zuordnung von Farben oder Bildern zu Gefühlen erleichtert es Kindern, diese zu benennen und zu verarbeiten.
4. Soziale Übungen (z. B. Umarmung ):
- Positive Berührung aktiviert das Oxytocin-System („Kuschelhormon“), das Sicherheit und Bindung fördert.
- Übungen in Gruppen stärken die soziale Verbundenheit, die nach der Polyvagaltheorie essenziell für ein ausgeglichenes Nervensystem ist.
5. Fazit
Die „Reise durch den Tiergarten der Gefühle“ ist mehr als nur ein Spiel – es ist eine Methode, Kinder und Jugendliche mit wissenschaftlich fundierten Ansätzen zu stärken. Es hilft ihnen, Stress und Emotionen zu regulieren, sich sicher und verbunden zu fühlen und wichtige Resilienzfähigkeiten zu entwickeln.
Durch die Verbindung von Polyvagaltheorie, Bewegung, Fantasie und Achtsamkeit bietet das Spiel eine wirksame und nachhaltige Unterstützung für die emotionale und soziale Entwicklung.
Hier ist eine kindgerechte Anleitung für ein Spiel, das die Übungen und Symbole der Tiere kombiniert. Es ist interaktiv, macht Spaß und fördert gleichzeitig Achtsamkeit, Selbstregulation und Bewegung:
Spiel: Die Reise durch den Tiergarten der Gefühle 🐾
Alter: 4–10 Jahre
Dauer: 20–30 Minuten
Anzahl der Kinder: 1–10 (Einzel- oder Gruppenspiel)
Ziel: Die Kinder lernen durch Bewegung und Fantasie verschiedene Fähigkeiten wie Beruhigung, Stärke, Mut und Freude, inspiriert von Tieren.
Vorbereitung:
- Raum gestalten:
Lege Kissen, Decken oder Matten im Raum aus, um verschiedene „Stationen“ zu schaffen. Jede Station repräsentiert ein Tier. - Tiere auswählen:
Wähle 4–6 Tiere aus der Liste (z. B. Schildkröte, Vogel, Elefant, Marienkäfer, Hase, Schmetterling). - Requisiten (optional):
- Stofftiere oder Bilder der Tiere.
- Blumen oder Blätter für den Marienkäfer, ein Tuch für den Kokon (Schmetterling), o. Ä.
Spielablauf:
1. Einführung (Start der Reise):
Erkläre den Kindern:
„Heute gehen wir auf eine Reise durch den Tiergarten der Gefühle. Jedes Tier hat eine besondere Fähigkeit, die uns helfen kann, uns zu beruhigen, mutig zu sein oder Freude zu spüren. Lasst uns die Tiere besuchen und von ihnen lernen!“
2. Die Stationen:
An jeder Station schlüpfen die Kinder in die Rolle eines Tieres. Hier sind die Anleitungen für die einzelnen Tiere:
1. Schildkröte: Der Kokon der Ruhe 🐢
Thema: Rückzug und Beruhigung.
- Anleitung:
- Rolle dich wie eine Schildkröte in deinen Panzer zusammen (setze dich auf die Knie und lege den Kopf auf den Boden, Arme eng am Körper).
- Atme langsam ein und aus, wie eine Schildkröte, die sich sicher fühlt.
- Nach ein paar Atemzügen „streckst“ du dich langsam, als ob du deinen Kopf und deine Beine aus dem Panzer schiebst.
- Fantasie: „Die Schildkröte zeigt uns, wie wir uns beruhigen können, wenn wir gestresst sind. In ihrem Panzer ist sie sicher und geborgen.“
2. Marienkäfer: Die Blumenwiese der Gefühle 🐞
Thema: Gefühle entdecken.
- Anleitung:
- Stelle dir vor, du bist ein Marienkäfer, der über eine Wiese fliegt.
- Landet auf verschiedenen Blumen (z. B. Decken oder Kissen). Jede Blume hat eine Farbe, die ein Gefühl zeigt (Rot = Wut, Blau = Traurigkeit, Gelb = Freude).
- Sage, welche Gefühle du spürst, wenn du auf der Blume landest.
- Fantasie: „Der Marienkäfer hilft uns, unsere Gefühle zu erkennen. Egal, welche Farbe die Blumen haben, sie sind alle schön!“
3. Elefant: Der Kraftvolle Schritt 🐘
Thema: Stärke und Erdung.
- Anleitung:
- Gehe wie ein Elefant, ganz langsam und schwer, indem du deine Füße fest auf den Boden stampfst.
- Spüre, wie stark und sicher du bist.
- Strecke deinen Arm nach vorne wie einen Rüssel und „puste“ laut die Luft aus, um Spannungen loszulassen.
- Fantasie: „Der Elefant zeigt uns, wie stark wir sind, auch wenn wir uns manchmal klein fühlen.“
4. Schmetterling: Die Flügel der Leichtigkeit 🦋
Thema: Freiheit und Entspannung.
- Anleitung:
- Stehe auf und breite deine Arme aus wie Flügel.
- Bewege deine Arme langsam auf und ab, während du dir vorstellst, wie du leicht durch die Luft fliegst.
- Mache langsame, kreisende Bewegungen durch den Raum, als würdest du von Blume zu Blume fliegen.
- Fantasie: „Der Schmetterling zeigt uns, wie wir uns frei und leicht fühlen können, auch wenn uns etwas belastet.“
5. Hase: Der flinke Sprung 🐇
Thema: Energie und Wachsamkeit.
- Anleitung:
- Hüpfe wie ein Hase von Kissen zu Kissen (oder Punkt zu Punkt).
- Halte an und lege die Hände an die Ohren, um aufmerksam wie ein Hase zu lauschen.
- Springe wieder weiter, so flink und fröhlich wie du kannst.
- Fantasie: „Der Hase zeigt uns, wie wir unsere Energie nutzen und gleichzeitig aufmerksam sein können.“
6. Vogel: Die Vogelperspektive 🕊️
Thema: Herausforderungen aus der Distanz betrachten.
- Anleitung:
- Stelle dir vor, du bist ein Vogel, der hoch über der Erde fliegt.
- Strecke die Arme aus, schließe die Augen und „fliege“ ruhig durch den Raum.
- Überlege dir, wie klein die Probleme von oben wirken und wie frei du dich fühlen kannst.
- Fantasie: „Der Vogel hilft uns, Dinge aus der Ferne zu betrachten und uns nicht von Problemen erdrücken zu lassen.“
7. Fuchs: Problemlösung 🦊
Thema: Mut finden, Entscheidungen zu treffen oder Probleme zu lösen.
- Anleitung:
- Bastelt zusammen einen Würfel, auf dem jeder Würfelseite eine Frage steht, z. B.:
- „Wer kann mir helfen?“
- „Was brauche ich gerade?“
- „Was würde der Fuchs tun?“
- Wenn ein Kind vor einer Herausforderung steht, würfelt es und beantwortet die Frage.
- Bastelt zusammen einen Würfel, auf dem jeder Würfelseite eine Frage steht, z. B.:
- Ziel: Unterstützt Kinder dabei, sich bei Herausforderungen sicherer zu fühlen.
3. Abschluss (Rückkehr):
Setze die Kinder im Kreis zusammen und sage:
„Wir haben heute viele Tiere besucht, die uns etwas Besonderes beigebracht haben. Jetzt sind wir wieder zu Hause. Welches Tier hat dir am meisten gefallen? Und wann könntest du an dieses Tier denken, wenn es dir hilft?“
Lasse die Kinder ihre Gedanken teilen und schließe das Spiel mit einer sanften Atmungsübung ab (z. B. Schmetterlingsflügel-Atmung).
Optional:
Wenn du möchtest, können die Kinder am Ende ein Tier malen oder basteln, das sie besonders inspiriert hat.
Dieses Spiel ist flexibel und kann leicht an die Gruppengröße oder die Bedürfnisse der Kinder angepasst werden. Viel Spaß dabei! 😊
Mini-Workshop Stressregulation für Kinder ab 3-5 Jahren
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